Fuß

Anatomie

Die Füße müssen mit ihrer relativ kleinen Auftrittsfläche das gesamte Gewicht des Menschen beim Stehen tragen und gleichzeitig das komplizierte Geschehen des Gehens und Laufens bewältigen. Der Fuß zeigt einen komplizierten Aufbau aus unterschiedlichen Knochenanteilen, Bändern und Muskeln, welche sowohl im Fuß selbst als auch am Unterschenkel lokalisiert sind und mit ihren Sehnen in den Fuß einstrahlen. Man unterscheidet die Fußwurzel sowie den Vorfuß, welcher durch die Mittelfußknochen und die Zehenglieder gebildet wird.

Fußerkrankungen

Fußerkrankungen können angeboren sein (z.B. Klumpfuß) oder aufgrund von Fehlbelastungen bei vorliegenden Mittelfußfehlformen wie Platt-, Hohl- oder Spreizfuß, als Unfallfolge, als Folge von Lähmungen oder Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis oder durch falsches Schuhwerk entstehen. Über Verformungen mit Bewegungseinschränkungen der Fußgelenke entstehen Schmerzen im Bereich des Fußes, welche auch zu Bein-, Hüft- und Rückenschmerzen sich ausweiten können.

Behandlungsmöglichkeiten

Die überwiegende Mehrzahl der Fußerkrankungen kann zunächst nicht-operativ durch entsprechende, individuell gearbeitete Schuheinlagen, ggf. nach entsprechender Druckplattenanalyse.

beim Orthopädieschuhmacher und gleichzeitigen Änderungen an den Schuhen (z.B. Abrollhilfe, Schmetterlingsrolle) sowie durch gezielte Fußgymnastik behandelt werden. Bei ausgeprägten Fußfehlstellungen, welche auch das obere und untere Sprunggelenk miterfassen, kann durch eine entsprechende Versorgung mit orthopädischen Maßschuhen, ggf. in Leichtbauweise, eine Entlastung der geschädigten Strukturen mit Stabilisierung des Fußes erfolgen. Sollten diese konservativen Maßnahmen jedoch nicht den gewünschten Erfolg erbringen, so kann bei folgenden korrekturbedürftigen Verformungen eine operative Therapie erfolgen:

Hallux valgus (Großzehenballen mit beginnender Fehlstellung der Großzehe im Grundgelenk nach außen)

Beim „Hallux valgus-Syndrom" handelt es sich um eine Fehlstellung und Funktionsstörung des 1. Fußstrahles, welcher über die Großzehe, den 1. Mittelfußknochen bis zur Fußwurzel reicht und etwa 40% der Mittelvorfußbelastung übernimmt. Es ist daher leicht verständlich, dass eine eingeschränkte Belastungsfähigkeit des 1. Strahles sekundäre Veränderungen in den benachbarten Anteilen des Vor- und Rückfußes nach sich zieht, so dass auch eine Korrektur einen wichtigen prophylaktischen Stellenwert hinsichtlich möglicher Sekundärschäden des gesamten Fußes einnimmt. Durch die Fehlstellung der Großzehe und ein nach innen vorxspringendes Mittelfußköpfchen entsteht ein Überbein, welches zu der Ballenbildung mit Schleimbeutelentzündung und schmerzhafter Druckstelle führt. Sekundär kann sich die 2. Zehe über oder unter die Großzehe schieben.

Hallux rigidus (Versteifung der Großzehe bei fortgeschrittenem Verschleiß des Großzehengrundgelenkes)

Beim „Hallux rigidus" steift das Großzehengrundgelenk aufgrund eines fortgeschrittenen Verschleißes aus unterschiedlichen Gründen zunehmend ein, so dass eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung beim Abrollen des Fußes resultiert.

Krallen- und Hammerzehen

Bei dieser Zehenfehlstellung sind die Zehen im Grundgelenk überstreckt, das Mittel- und/oder Endglied ist in starker, abnormer Beugestellung versteift.Durch den dauerhaften Druck des Schuhs auf das gebeugte Mittelgelenk entsteht hier häufig eine schmerzhafte Schwiele oder ein Hühnerauge, ferner wird das angrenzende Mittelfußköpfchen bei gleichzeitig vorliegendem Spreizfuß in die Fußsohle gedrückt und führt hier zu Überlastungsbeschwerden, welche durch entsprechende Hornhautbildung an der Fußsohle neben Schmerzen beim Gehen sich bemerkbar machen.

Fehlstellung der Kleinzehe

Diese Fehlstellung kommt häufig im Rahmen eines Spreizfußes bei völlig verformter Kleinzehe vor, welche O-förmig gekrümmt unter oder auf der 4. Zehe liegt und dadurch lokale Druckprobleme verursacht.

Operative Therapiemaßnahmen

Grundsätzlich erfordern die oben genannten Vorfußerkrankungen ein differenziertes operatives Behandlungskonzept mit ausreichender Erfahrung des Operateurs und einem sich anschließenden, koordinierten Zusammenwirken im therapeutischen Team zwischen Krankengymnast, orthopädischem Schuhmacher und Operateur. Gerade die modernen, differenzierten und gelenkerhaltenden Operationsmethoden können Fußfehlformen und Zehenfehlstellungen effizient und kosmetisch dauerhaft überzeugend korrigieren, so dass hinsichtlich der Frage der Terminierung des Eingriffes nicht mehr gelten sollte:„... Operation erst, wenn es gar nicht mehr geht" , insbesondere um weitere sekundäre Spätschaden zu verhindern. Hauptziel der operativen Therapie ist eine dauerhafte Korrektur der Fehlstellungen zum Erreichen eines schmerzfreien Gehens. Ein operatives Vorgehen rein aus kosmetischen Gründen bei nahezu Beschwerdefreiheit ist abzulehnen.

Durchführung des operativen Eingriffes

Die Operation wird nach internistischer Abklärung der Operationsfähigkeit in Vollnarkose oder Rückenmarkanästhesie, unterstützt durch lokale Nervenblockaden am Unterschenkel, ambulant oder stationär durchgefüht.Während der Operation wird zur besseren Übersicht über das Operationsgebiet und zur Minimierung des Blutverlustes in der Regel eine Blutsperre am Unterschenkel durch eine Blutdruckmanschette angelegt, soweit keine Hinderungsgründe ( z.B. ausgeprägte Krampfadern ) vorliegen.Einzelne Operationsverfahren, welche der individuellen Fehlstellung angepasst und meist kombiniert durchgeführt werden, sind hierbei Abmeißelung von Knochenüberständen (Pseudoexostosen = Ballen).

Achskorrekturen mittels Knochendurch- trennung, Entnahme bzw. Einfügung eines Knochenkeiles und übungsstabile Fixation durch Platten, Schrauben oder Drähte, welche eine Gipsnachbehandlung überflüssig machen und das Aufstehen mit einem Vorfußentlastungsschuh am 1. Tag nach der Operation erlauben.

Muskel- und/oder Sehnenverlagerungen bzw. Durchtrennungen neben Lösungen von Verwachsungen bzw. Raffung von Gelenkkapseln. Verkürzung von Zehen- oder Mittelfußknochen. In Ausnahmefällen bei fortgeschrittenem Verschleiß Versteifung von Gelenken, welche bereits zum Zeitpunkt der Operation nahezu keine Funktion mehr aufweisen.

Postoperative Nachbehandlung

Die Nachbehandlung, insbesondere in der unmittelbaren Zeit nach der Operation bis zum Abschluss der Wundheilung (ca. 2 Wochen) ist von besonderer Wichtigkeit, um die Schwellneigung des operierten Fusses zu reduzieren, das Thromboserisiko zu minimieren und den Patienten möglichst schnell wieder mobilisieren zu können. Sofort nach der Operation darf der Patient mit einem Spezialschuh, welcher anfangs den Vorfuß entlastet, aufstehen und mit Gehstützen umhergehen. Der operierte Fuß sollte solange wie möglich, am besten über Herzhöhe, hochgelagert werden, weiterhin erfolgt eine regelmäßige Kühlung der Weichteile, unterstützt durch tägliche Lymphdrainagebehandlungen und medikamentöse abschwellende Maßnahmen. Der operativ korrigierte Zeh kann vorsichtig selbständig unter krankengymnastischer Anleitung bewegt werden, unterstützend kommen Bewegungsübungen des Sprunggelenkes und Kniegelenkes sowie isometrische Muskelanspannübungen hinzu. Während der frühen postoperativen Phase ( 1.-2. Woche postoperativ ) erfolgt eine Thromboseprophylaxe durch Verabreichung einer niedermolekularen Heparinspritze („Bauchspritze"), welche auch im häuslichen Bereich täglich bis zur vollständigen Mobilisation unter regelmäßiger Blutbildkontrolle fortgeführt werden sollte. Die Entfernung der Hautfäden erfolgt üblicherweise nach 2 Wochen, dann kann der Fuß auch wieder gewaschen werden. Ein Barfußgehen ist mit wenigen Ausnahmen nach röntgenologischer Kontrolle frühestens nach der 6. postoperativen Woche erlaubt, weil es sonst bei unzureichender Heilung des durchtrennten Knochens zu einem Ausriss der Schrauben und somit zur erneuten Fehlstellung kommen kann. Gerade nach komplexen Vorfußkorrekturen ist von einer Schwellneigung des Fußes nach dem operativen Eingriff von etwa 3 bis 6 Monaten auszugehen, eine vollständige Belastungsfähigkeit, vergleichbar mit einem normalen Fuß, stellt sich zwischen 4 und 12 Monaten wieder ein, wobei eine Vollbelastung nach entsprechender Einlagenversorgung üblicherweise nach 8 bis 12 Wochen erfolgen kann. Langfristig sollten entweder Schuhe mit physiologischer Sohlenabstützung des Fußlängs-und –quergewölbes ausgewählt werden oder dies durch entsprechende Einlagenversorgung gewährleistet sein. Selbstverständlich können jedoch auch modische Schuhe zeitweise getragen werden.In Einzelfällen ist nach etwa 6 bis 9 Monaten die Entfernung eines Osteosynthesematerials ambulant in Kurznarkose oder Lokalanästhesie erforderlich.

Komplikationsmöglichkeiten

Bei jedem operativen Eingriff können trotz größter Vorsicht in seltenen Fällen unerwünschte Komplikationen auftreten:

Verletzungen von Nerven oder Gefäßen, welche zu Gefühlsstörungen oder Wundheilungsstörungen bzw. Durchblutungsstörungen führen können. Durch eine verzögerte Knochenheilung oder zu frühe Belastung kann über eine Lockerung des Stabilisierungsmaterials eine verzögerte oder ausbleibende Knochenheilung resultieren, welche einen erneuten operativen Eingriff erforderlich machen kann. Im Rahmen der postoperativen Ruhigstellung und Schwellung kann eine Thrombose in den Venen des Beines, in seltenen Fällen mit Auslösung einer Embolie in der Lunge auftreten. Durch die Operation kann in seltenen Fällen eine Fehlstellung überkorrigiert werden oder es im postoperativen Verlauf zu einer erneuten Abweichung oder einer Bewegungseinschränkung im Bereich der Zehen kommen.

Der kindliche Fuß 

Der kindliche Fuß verdient die ganz besondere Aufmerksamkeit des Orthopäden. Nur wenn er sich gesund entwickeln kann, bildet er ein stabiles Fundament für den Körper. Kinderfüße sind sehr formbar, sehr weich und sehr empfindlich. Im Rahmen einer groß angelegten Studie wurde zuletzt herausgestellt, dass 80% der Kinder unpassende Schuhe tragen – wider Erwarten sind die meisten Schuhe jedoch nicht zu knapp bemessen, sondern zu groß.

Bei jedem Schritt müssen unsere Füße ein Mehrfaches des Körpergewichtes abfedern, um die Wirbelsäule und die Gelenke zu entlasten. Unsere Füße tragen uns im Laufe unseres Lebens etwa vier Mal um die Erde, also etwa 282.743 Kilometer weit.

Wenn mit den Füßen etwa nicht stimmt, wirkt sich dies schnell auf den gesamten Körper des Kindes aus. Dabei geht es nicht nur um die Beinmuskulatur und um die Gelenke, sondern sogar die Konzentration und Aufnahmefähigkeit der Kinder kann, vor allem bei Bewegungsmangel, leiden.

Kinderfüße wachsen bei Mädchen zwischen 5 und 12 Jahren und bei Jungen zwischen 5 und 14 Jahren im Schnitt 9 mm pro Jahr, manchmal aber auch wesentlich schneller. Erst mit dem 16. Lebensjahr sind die Füße ausgewachsen.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Haltungsschäden bei Kindern erheblich zugenommen. Einer der Gründe ist Bewegungsmangel. Ob in der Schule, bei den Hausaufgaben, vor dem Fernseher oder bei Computerspielen – unsere Kinder sitzen durchschnittlich rund 8,5 Stunden am Tag. Hierdurch wird auch die Muskulatur der Füße und Beine schlapp. Spreiz-, Senk- und Plattfüße sind eine häufige Folge.

Ein weiteres Problem folgt auf dem Fuße: Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen, das Fehlstellungen von Füßen, Hüften und Knien begünstigt.

Um der Entstehung von Fußfehlformen vorzubeugen, sollte bei der Schuhauswahl darauf geachtet werden, dass Kinderschuhe leicht und atmungsaktiv sind, eine elastische Sohle und eine stabile Fersenkappe haben. Sie sollten optimal passen, deshalb ist es wichtig, regelmäßig zu kontrollieren, ob die Füße nicht schon rausgewachsen sind. Denn die Kinder selbst merken dies oft viel zu spät.

Da der Fuß bei Belastung bis zu 3 mm länger und bis zu 10 mm breiter wird, sollte die Schuhinnenlänge 12 mm, aber nicht als länger als 17 mm länger als die Fußlänge sein.

Um kindlichen Fußfehlstellungen, Druckstellen, Schwielenbildungen und Hornhautbildungen vorzubeugen, ist also die Wahl des richtigen Schuhwerks besonders wichtig.

Eine Kräftigung der Fußmuskulatur, z. B. durch Barfußlaufen, stabilisiert das Fußgewölbe. Auch Balancieren, Klettern, Gleichgewichtsübungen und nahezu jegliche Art von Bewegung und Sport machen die Füße fit.

Um Probleme wie Fehlstellungen rechtzeitig zu erkennen, ist es wichtig, die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder wahrzunehmen. Wenn bereits Schäden oder Fehlentwicklungen eingetreten sind, können mitunter auch Krankengymnastik und spezielle Schuheinlagen helfen.

Übungen zur Kräftigung der Muskulatur von Kinderfüßen können auch ohne Probleme im häuslichen Bereich selbständig durchgeführt werden. Entsprechende Übungsanleitungen erhalten Sie auf Nachfrage in unserer Praxis.

Zusammenfassung

Die operative Therapie im Bereich des Vorfußes führt bei korrekter Indikationsstellung, differenzierten operativen Vorgehen und konsequenter Nachbehandlung zu einem dauerhaft sowohl funktionell als auch ästhetisch hervorragenden Ergebnis. Die möglichen Komplikationen treten nur extrem selten auf. Kein Operationsverfahren kann jedoch die normale Anatomie des Fußes wiederherstellen und auch die zwangsläufig entstehenden Narben können lokale Beschwerden und Bewegungseinschränkungen verursachen .