Schultergelenk

Anatomie des Schultergelenkes

Das Schultergelenk ist das beweglichste menschliche Gelenk. Ermöglicht wird dies durch den kugeligen Oberarmkopf der in einer relativ kleinen und flachen Gelenkpfanne ruht. Die Stabilität des Gelenks wird fast ausschließlich durch die Weichteile, also Muskeln, Sehnen und die Gelenkkapsel, gewährleistet. Die vier Muskeln der so genannten Rotatorenmanschette, die der Vorder- und Rückseite des Schulterblattes entspringen, sind wie ein Korsett um den Oberarmkopf angeordnet und zentrieren aktiv bei jeder Bewegung den Gelenkkopf in der Gelenkpfanne.

Die freie Gesamtbeweglichkeit ist nur mit Hilfe der Nebengelenke möglich. Hierzu zählen die gelenkigen Verbindungen zum Schlüsselbein (Schultereckgelenk), das Gleiten des Schulterblattes auf dem Brustkorb und das Gleiten des Oberarmkopfes einschließlich des oberen Anteils der Rotatorenmanschette unter dem knöchernen Schulterdach. Um bei Bewegungen des Armes ein reibungsloses Gleiten der Rotatorenmanschette unter dem Schulterdach zu gewährleisten befindet sich zwischen Rotatorenmanschette und Schulterdach ein Schleimbeutel (Bursa). Damit das Gelenk funktioniert ist ein exaktes und kompliziertes Zusammenspiel aller beteiligten Strukturen nötig. Folglich kann es am Schultergelenk zu zahlreichen Verschleißerscheinungen, Überlastungssyndromen und Verletzungen kommen.

Noch vor 10 bis 15 Jahren wurden die meisten Schulterprobleme als schicksalhaft angesehen. Mittlerweile stehen zahlreiche konservative und wenn nötig auch operative Verfahren zur Verfügung. Ein Großteil der Operationen lässt sich heute minimalinvasiv, also in Form von Schlüssellochoperationen durchführen.

Impingement

Das häufigste Krankheitsbild am Schultergelenk stellt das Impingement (Einklemmung) dar. Ursache des Impingements ist die anlagebedingte Enge im sogenannten Subacromialraum, dem Raum zwischen dem Oberarmkopf und den Schulterdach (Akromion).
Aufgrund von knöchernen Veränderungen des Schulterdaches und/oder entzündlicher Verdickung des Schleimbeutels ist ein reibungsloses Gleiten der Sehnenplatte nicht mehr gewährleistet. Nicht selten ist eine vorangegangene Überlastung z. B. durch Überkopftätigkeit oder auch durch einen Sturz auf die Schulter auslösend.
Falls eine konservative Therapie (Infiltrationen, entzündungshemmende Medikamente, Krankengymnastik) nicht zum Erfolg führt ist gelegentlich ein operatives Vorgehen nötig.

Bei der arthroskopischen subacromialen Dekompression (ASAD) wird mit Hilfe einer kleinen Präzisionsfräse der vordere Anteil des knöchernen Schulterdaches abgeschliffen und der Schleimbeutel teilweise entfernt (eine Ersatzgleitschicht bildet sich wieder nach).

Nachbehandlung

Kurzzeitig Armschlinge, Schonung für ca. 3 Wochen, körperliche belastende Tätigkeiten frühestens nach 4-6 Wochen.

Schultereckgelenksarthrose

Nicht selten besteht zusätzlich zum Impingement eine Arthrose des Schultereckgelenkes. Durch eine Verdickung des Gelenkes nach unten kann es zu einer zusätzlichen Beengung des subacromialen Raumes kommen.
Gegebenfalls ist dann die zusätzliche Entfernung des Schlüsselbeinendes erforderlich, die Nachbehandlung verlängert sich dabei um 1-2 Wochen.

Rotatorenmanschettenruptur

Aufgrund Ihrer Lage unter dem engen Schulterblatt und "konstruktionsbedingt" unterliegt die Rotatorenmanschette einer erhöhten mechanischen Beanspruchung welche zu einem Verschleiß der Manschette mit Einrissen am Sehnenansatz führen kann. Auch kann eine Gewalteinwirkung zur akuten Schädigung bzw. zum Einreißen der Manschette führen.

Bei einem Schaden der Rotatorenmanschette kommt es häufig zur Einschränkung von Kraft und Beweglichkeit der Schulter.
Die Rotatorenmanschette wird in den meisten Fällen mit Hilfe von kleinen Fadenankern oder mit Knochennähten wieder fixiert. Ob dies über einen kleinen Hautschnitt offen oder arthroskopisch geschieht wird bei der am Anfang des Eingriffes durchgeführten Arthroskopie des Gelenkes entschieden.
Der Eingriff wird in der Regel mit einer subacromialen Dekompression kombiniert.

Nachbehandlung:

Um ein erneutes Abreißen der Sehne zu verhindern darf die Schulter in den ersten 6 Wochen (abhängig von der Rißgröße) nur passiv bewegt werden. Der Arm wird in dieser Zeit in einer Schulterschlinge gelagert. Eine weitgehende Wiederherstellung der Funktion ist in der Regel nach 12 Wochen erreicht.

Kalkschulter
(Tendinosis calcarea)

Durch Kalkeinlagerung in die Sehnen der Rotatorenmanschette kann es zu schmerzhaften Entzündungsreaktionen kommen. Die Erkrankung tritt typischerweise im 4. und 5. Lebensjahrzehnt auf und betrifft vorzugsweise Frauen. Falls eine konservative Therapie (Medikamente, Infiltrationen, Needling ggf. auch Stoßwelle) nicht zum Erfolg führt, kann eine operative Sanierung erforderlich werden. Hierbei wird das Kalkdepot arthroskopisch längsgeschlitzt und ausgeräumt. In Abhängigkeit der Schmerzsymptomatik und des Röntgenbildes wird der Eingriff gelegentlich mit einer subacromialen Dekompression kombiniert.

Nachbehandlung

Kurzzeitig Armschlinge, Schonung für 3 Wochen, körperlich belastende Tätigkeiten frühestens nach 4-6 Wochen.

Schultersteife

Bei einer primären Schultersteife kommt es zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut und -kapsel mit Schrumpfung der Selben. Im Vordergrund steht eine zunehmende, stark schmerzhafte Einsteifung des Schultergelenkes. Typischerweise werden drei Stadien durchlaufen in denen die Schulter zunächst einfriert dann eingefroren ist und später wieder auftaut. Der Verlauf kann unterschiedlich lange üblicherweise ca. 2 Jahre dauern.

Nicht selten bleibt ein Funktionsdefizit zurück.

An konservativen Möglichkeiten stehen neben oraler Kortisongabe während der Einfrierphase und Gelenkinfiltrationen vor allem eine krankengymnastische Mobilisierung des Gelenkes im Vordergrund. Führt jedoch die konservative Therapie nicht zum Erfolg, kann arthroskopisch schonend vernarbtes Kapselgewebe durchtrennt und die entzündete Gelenkinnenhaut teilweise entfernt werden. Die erreichte Bewegungsverbesserung muss durch konsequente Krankengymnastik stabilisiert werden.

Instabilität

Bedingt durch die fast ausschließlich weichteilige Führung der Schulter ist die Schulter anfällig für Luxationen (Verrenkungen). Bei einer Luxation des Schultergelenkes springt der Oberarmkopf am häufigsten nach vorne unten aus dem Gelenk. Hierbei kommt es in der Regel zu einer Abscherung des die Gelenkpfanne umgebenden Knorpelringes und der anheftenden Kapsel. Falls diese in Fehlposition verwächst, oder auch das Kapselgewebe stark überdehnt bleibt kann es zu erneuten Luxationsereignissen kommen. In diesen Fällen ist dann meistens die arthroskopische Stabilisierung erforderlich um eine weitere Schädigung des Gelenkes zu vermeiden.Mit Hilfe von kleinen Fadenankern wird in den meisten Fällen arthroskopisch der abgerissene Kapselkomplex ggf. mit zusätzlicher Raffung wieder am vorderen Pfannenrand fixiert. NachbehandlungRuhigstellung des Armes in einer Bandage für 4-6 Wochen, ab dem ersten postoperativen Tag Krankengymnastik mit limitiertem Bewegungsumfang insbesondere der Außendrehung, Arbeitsaufnahme abhängig von der individuellen Tätigkeit , belastende Tätigkeiten Sportaufnahme nach 3 Monaten.

Schulterendoprothese Schultergelenksarthrose (-Verschleiß)

Im Gegensatz zur Arthrose des Kniegelenks (ca. 100000 Kniekunstgelenke pro Jahr in Deutschland) spielt die Arthrose des Schultergelenks (Omarthrose) zahlenmäßig eine deutlich kleinere Rolle. Pro Jahr werden in Deutschland ca. 3000 Schulterendoprothesen eingesetzt.
Die Arthrose des Schultergelenkes macht sich häufig durch unerträgliche Ruhe- und Belastungsschmerzen bemerkbar. Als Ursache der Arthrose kommen die primäre Arthrose (anlagebedingt), Brüche des Oberarmes, Nekrose (Absterben) des Oberarmkopfes, Stoffwechselerkrankungen , Rheuma und Infektionen in Betracht.
Welcher Prothesentyp geeignet ist hängt vom Außmaß der Arthrose und dem Zustand der Weichteile ab.

Heutzutage stehen mehrere Prothesentypen zur Verfügung

Hemi-/Totalprothese
Cup-Prothese
Inverse Prothese

Abhängig von der Beschaffenheit der Gelenkpfanne wird meistens entwerder eine Totalprothese (mit Ersatz der Pfanne) oder eine Hemiprothese eingesetzt. Bei zerstörter Rotatorenmanschette muss unter Umständen eine Inverse Schulterprothese implantiert werden.

Nachbehandlung

Frühfunktionelle Behandlung ab dem ersten postoperativen Tag. In Abhängigkeit der Weichteile insbesondere der Sehnenqualität nach anfänglicher rein passiv geführter Bewegung des Armes sind nach 4-6 Wochen auch aktive Bewegungen des Armes erlaubt. Bei sitztender Tätigkeit ist die Arbeitsfähigkeit nach 8-10 Wochen, bei körperlicher Tätigkeit nach 12-14 Wochen zu erwarten.